Niemand hat die Absicht die Demonstrationsfreiheit auszuhebeln

Niemand hat die Absicht die Demonstrationsfreiheit auszuhebeln

…sprach der Oberbürgermeister. Wir werden nur verhindern, dass für die zu Tausenden anreisenden Gipfelgegner*innen ein geeignetes Camp errichtet werden wird. Und da die Hotels bereits fast ausgebucht und die restlichen Zimmer völlig überteuert sind, tja, da können sie ja vielleicht besser zu Hause ihr Recht wahrnehmen und demonstrieren, ist doch auch gut.

So oder so ähnlich läuft die Spule in den Köpfen des Senats ab. Die Innenbehörde hat ‚erkannt‘, dass so ein Camp „eine ideale Logistikzentrale und Sammelstelle für militante Gipfelgegner ist, polizeilich ganz schwer, ähm, ja, zu händeln.“ Und daher verwundert es nicht, dass die Behörden zunächst kein Camp zulassen wollen. Auch wenn sie natürlich total gesprächsbereit sind.

Ebenso gesprächsbereit ist man von Amts wegen bezüglich eines geeigneten Kundgebungsortes als Abschluss der Großdemo am Samstag. Den soll es natürlich geben, aber halt irgendwo am Arsch der Heide oder wo auch immer die Demonstrant*innen nicht die polizeilichen und militärischen Einsatzkräfte stören.

Aktueller Stand der Dinge also:

– Protest-Camp im Hamburger Stadtpark für 10.000 Leute – verboten
– Kundgebung auf dem Heiligengeistfeld in Sichtweite zur Messe am Samstag, 8.7. – verboten

Wir bleiben gelassen, denn dieses Vorgehen verwundert uns nicht.
Wir werden es uns nicht nehmen lassen, gebührenden Protest auf die Beine zu stellen.
Es wird Camps geben und es wird eine zentrale Kundgebung für die erwarteten 100.000 Leute geben.
Sollten die Schikanen des Senats und der Behörden auf dem jetzigen Level weiterlaufen, werden wir nur noch mehr Menschen sein und es wird noch mehr Gründe geben richtig sauer zu sein.

Aktionsübersicht noG20

Aktionsübersicht noG20

Noch 80 Tage und der G20 Gipfel in Hamburg soll beginnen. Die ersten Vorboten sind voraus geschickt worden um die „Heiße Phase“ bis zum Gipfel einzuläuten. Die Presselandschaft überschlägt sich in der Zurschaustellung von Horrorszenarien, die Polizei und ihre rechten Gewerkschaften sprechen von toten Demonstrant*innen, sollte es zu Protesten in der Hamburger Innenstadt kommen und fordern ein totales Demonstrationsverbot. Die Nobelhotels wollen aus Angst um ihr Image einige der mächtigsten Gäste nicht willkommen heißen. Das ist die Stimmung der Hansestadt im April.

Ungeachtet des bürgerlich-medialen Diskurses um Gewalt und Gegengewalt, stellen wir uns auf. Unser Ziel ist klar, den Kapitalismus und seine Gewalt, die Milliarden von Menschen leiden lässt und wofür die G20 exemplarisch stehen, bekämpfen und abschaffen.

Hamburg hat die 2. Aktionskonferenz gegen den Gipfel der 20 Mächtigsten hinter sich gebracht und langsam aber sicher lässt sich konkreter darstellen, wie und wo unsere Proteste, Ausdrücke und Aktionen stattfinden werden.

Eine erste Übersicht der Aktionswoche wollen wir euch hier präsentieren.

Mittwoch, 5.7. Gegengipfel, Rave

Ab dem 05. Juli wird der Gipfel für Globale Solidarität auf dem Kampnagel Gelände stattfinden. Der Gipfel wird als Alternativgipfel zu den G20 gesehen und von einem breitem Spektrum aus Friedensbewegung, Post-Autonomen, selbstorganisierten Flüchtlingsgruppen, Stiftungen, bis hin zu Revolutionären Organisationen getragen und mitgestaltet.

Am Abend wird es für alle Menschen die sowohl tanzen, demonstrieren, als auch den herangekarrten 20.000 Polizist*innen keinen Schlaf lassen wollen, eine Nachttanzdemo durch die City geben.

Donnerstag, 6.7. Antikapitalistische Großdemonstration

Am Donnerstag wird es eine große Kundgebung auf dem Hamburger Fischmarkt geben, der eine antikapitalistische Großdemonstration mit Tausenden Menschen folgen wird. Das vor allem aus dem autonomen Spektrum stammende Bündnis Welcome to Hell ruft in diesem Rahmen weltweit dazu auf, Hamburg zu einem Ort und Ausrufezeichen des Widerstandes gegen die alten und neuen Autoritäten des Kapitalismus zu machen. Auf der Kundgebung werden Menschen aus den verschiedensten linken Kämpfen, revolutionären Bewegungen und basisdemokratischen Organisationen der Welt sprechen und aufzeigen, was eine Alternative zum Kapitalismus sowohl in der Utopie als auch in der realen Praxis sein kann.

Freitag, 7.7. Aktionstag: Hamburg City Strike

Am zentralen Aktionstag gegen den G20, am Tag des Beginns des Gipfels, wird es eine ganze Reihe verschiedener Aktionen geben. Blockaden, Schulstreiks und dezentrale Aktionen sollen sich ergänzen und solidarisch aufeinander beziehen. Vielfältige Protestformen werden zeigen, dass die G20, ihre Politik und die Logistik des Kapitalismus angreifbar sind. Durch die Masse an Aktionen wird Hamburg an diesem Tag nahezu komplett lahmgelegt – als Antwort auf die menschenverachtende Politik der G20 und den kapitalistischen Alltag.

Macht mit, seid dabei, seid kreativ, überraschend und unberechenbar. Helft mit Hamburg in ein vielfältiges Chaos zu stürzen und das Gipfeltreffen der Mächtigen so gut es geht zu behindern. Sie nehmen die Stadt in Geiselhaft mit ihrem Treffen, wir antworten mit einem Hamburg City Strike!

Die bisher angekündigten Aktionen für den Freitag im einzelnen:

Am Vormittag

Aus dem Spektrum des Ums Ganze!-Bündnis in Kooperation mit dem internationalen Netzwerk Beyond Europe wird es eine Aktion zur Logistik des Kapitals im Hamburger Hafengebiet geben.

Ebenso im Hafengebiet angesiedelt wird es eine massenhafte Klimaaktion geben:

-> leider abgesagt: The mass climate resistance action on the 7th of july had to be cancelled. There will, however, be a climate barrio at the anticapitalist camp in hamburg and an anticapitalist climate block at the demonstration on the 8th of july.

Ganztägig

Die vermutlich größte Aktion findet unter dem Namen: „Block G20 – Colour the Red Zone“ statt. Hier haben sich diverse Organisationen und Strukturen unter der Prämisse des Aktionsbildes zusammengetan und Gedanken darüber gemacht, wie man den Ablauf des G20 Gipfels stören und die Rote Zone blockieren kann.

In Planung

Der Zusammenschluss Jugend gegen G20 ist dabei einen Schul- und Uni-Streik zu organisieren:

Weitere Aktionen die (noch) nicht angekündigt sind, können erwartet werden.

Samstag, 8.07. Großdemonstration

Am Samstag wird es eine internationale, spektrenübergreifende Großdemonstration von der Moorweide, durch die Hamburger Innenstadt bis zum Heiligengeistfeld geben. Trotz massiver Einschränkungen seitens der Versammlungsbehörde und der Polizei, sowie aus dem Großteil der Parteien in der Hamburger Bürgerschaft, rechnen wir mit einer der größten und eindrucksvollsten Demonstrationen in der Geschichte Hamburgs. Innerhalb der Demo wird es einen antikapitalistischen Block geben. Eine erste Liste von Aufrufenden Gruppen und Organisationen findet ihr hier:

Die Demonstration wird einen gemeinsamen Ausdruck von autonomen, antikapitalistischen, revolutionären und reformorientierten Gruppen und Organisationen darstellen. Alle fortschrittlichen Kräfte, die die Politik der G20 ablehnen, sind eingeladen sich zu beteiligen.

Auch wenn noch vieles offen ist und die Planungen erst allmählich konkreter werden, wissen wir eins: Im Juli diesen Jahres wird Hamburg für die G20 zum Gefahrengebiet!

Für einen Hamburg City Strike!

Das war der Gipfel

Das war der Gipfel

Polizeiapparat erprobt die urbane Aufstandsbekämpfung – trotz Mangels an Gegnern

Spätestens mit dem gelegten Feuer vor den Messehallen ca. eineinhalb Wochen vor dem OSZE-Gipfel Anfang Dezember war die Polizeipräsenz auf den Straßen der umliegenden Viertel merklich erhöht worden. Die Messe selbst wurde jeweils in Sichtweite von Polizeifahrzeugen umringt. Und dennoch machten sich nur wenige Nächte später bereits die nächsten Menschen auf den Weg zur Messe, um diese mit Farbe zu beschmeißen – anscheinend zu schnell oder zu diskret für die anwesende Polizei.

Das „Sicherheitskonzept“ für den OSZE-Gipfel selbst wurde von öffentlicher Seite stets mit Worten wie „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ a.k.a. „bürgernah“ vorgestellt. Man werde die Belastungen für die Anwohner_innen so gering wie möglich halten, aber an erster Stelle stehe selbstverständlich die Sicherheit des Gipfels.

Da nun alle Beteiligten wussten, dass es sich bei dem OSZE-Gipfel einsatztechnisch um einen Probelauf für den G20-Gipfel im Sommer handeln sollte, wurde der „Sicherheitsapparat“ schon vor diesem ersten Termin noch ordentlich aufgerüstet. Neue Maschinenpistolen sowie ordentliche Sturmgewehre, Helme, Westen und ein 500.000 € günstiger Panzerwagen mit dem netten Namen „Survivor“ wurden in den vergangenen Monaten angeschafft.

Je näher die Gipfeltage nun rückten, desto mehr nahm die Polizeipräsenz zu. „Belagerungszustand“ trifft es vermutlich besser, wenn die Bullen einfach 24 Stunden am Tag, an quasi jeder Ecke herumlungern, die Wege vollparken. Um die Langeweile erträglich zu machen und weil Bullen Bullen sind, wird dann natürlich auch immer mal wieder für Recht & Ordnung gesorgt und den ohnehin schon genervten Anwohner_innen auch noch gute Ratschläge u.ä. mit auf den Weg gegeben. Das Kopfschütteln im Viertel nahm also kontinuierlich zu.

Am Donnerstagmorgen war es dann endlich soweit: Die angereisten Außenminister_innen wurden mit Polizeieskorte in Konvois (US-Außenminister John Kerry hatte, wie erwartet, den längsten, MOPO) durch die abgesperrte Stadt gefahren, der Sicherheitsapparat hatte sich aufgestellt. Bereit standen:

13.200 Polizist_innen

700 Beamte aller deutschen Spezialeinheiten und der GSG9

18 Panzerwagen

22 Wasserwerfer

35 Boote

10 Hubschrauber der Länder-Polizeien und 25 Maschinen der Bundespolizei (alle Zahlen laut MOPO).

Darüber hinaus stand ein Abfangjäger der Bundeswehr bereit und das Messegelände wurde mit Hamburger Gittern, Betonklötzen, Bauzäunen und Natodraht gesichert. Das alles obwohl durchaus bekannt war, dass es keine größeren Proteste geben würde.

Das eigentliche Highlight für die Verantwortlichen dieses monströsen Einsatzes dürfte jedoch folgendes gewesen sein: die Fäden aller eingesetzten Einheiten laufen in einer neuen Kommandozentrale der Polizei zusammen. Über eine große Videowand und diverse weitere Bildschirme können die Einsatzleiter über die in Hamburg erstmals genutzte Software „Eurocommand“ überall live mit dabei sein.

Es können parallel Bilder verschiedenster Einsatzorte wiedergegeben werden. Diese Bilder stammen von Polizeieinheiten vor Ort, von Polizei-Hubschraubern, aber auch aus der Verkehrsüberwachung. Es soll hierdurch möglich sein, die vorhandenen Einheiten LIVE zu koordinieren, da diese mit Ortungstechnik ausgerüstet sind. Somit können sie von der Kommandozentrale aus über die Videowand strategisch und in Echtzeit aufgestellt werden. Ein Traum für jeden Feldmarschall.

Und was ist am Ende passiert? Fast nichts!

Angeblich fanden am Donnerstag fünf Demonstrationen statt, davon kann man mindestens zwei tatsächlich als solche bezeichnen. Die eine wurde letztendlich durch die Polizei beendet, weil die Außenminister zu Abend essen wollten, die andere wurde dermaßen mit Bullen überschüttet, dass die Demonstration selbst von außen schon lange nicht mehr wahrnehmbar war. Eine einzige, riesige, blau blinkende Bullenkaravane, kilometerlange Schlangen geparkter Einsatzfahrzeuge, Wasserwerfer, Pferde und x-tausend behelmte Schläger.

Den meisten Gegner_innen und potentiellen „Störenfrieden“ des Gipfeltreffens war von Anfang an klar gewesen was laufen würde. Man hielt es im Allgemeinen wohl nicht für nötig sich vom Staat vorführen UND verprügeln zu lassen und sah sich das ganze Spektakel mehr oder weniger gelassen an. Wohlwissend, dass im Sommer 2017 alles anders kommen werde.

[Einen gewissen Eindruck vermittelt das Video OSZE-Gipfel in Hamburg: Die am besten geschützte Demo der Welt]

Wofür am Ende der ganze Aufwand?

Der vermeintlich wichtigste Teilnehmer der Konferenz (Kerry) hatte sich noch vor dem Mittagessen wieder verdrückt. Die anderen brachten das Treffen zwar noch hinter sich, zu einer gemeinsamen Abschlussrede/Ergebnis/Whatever kam es jedoch wie zu erwarten nicht. Zack. Hat sich doch gelohnt.

Das Fazit des Polizeisprechers fällt dennoch wie zu erwarten positiv aus: „Der Einsatz ist wirklich wie am Schnürchen gelaufen“ sagte Zill. „Wir sind sehr, sehr zufrieden.“ So ist das vermutlich, wenn man alles an Einsatzkräften- und material herankarrt, was man in die Finger kriegt, um dann am Ende doch allein damit im Sandkasten zu sitzen und mit sich selbst spielen zu müssen.

Da kann man schon mal „sehr sehr“ zufrieden sein, wenn knapp 14.000 Bullen nicht über ihre eigenen Füße stolpern.

Wie am Schnürchen wird es jedoch kaum laufen, wenn im Sommer 2017 etwa 100.000 Gipfelgegner_innen die Messehallen und das Rathaus belagern, die halbe Stadt lahmlegen und den „Sicherheitsapparat“ auf die Probe stellen. Wir hatten beschlossen, uns an der jetzigen staatlichen Machtdemonstration nicht zu beteiligen – es war keineswegs das vermeintlich bürgernahe Kommunikationskonzept der Bullen, das den Protest klein gehalten hat. Und WIR haben uns entschieden im Sommer dafür um so mehr los zulegen. Wir sind viele und wir sind entschlossen, diesen Gipfel zu einem Desaster zu machen.

Hochschulpräsidium unterliegt vor Gericht. G-20 Aktionskonferenz findet wie geplant statt

G-20 Aktionskonferenz findet wie geplant statt

Das Hamburger Amtsgericht hat die Kündigung der Räume für die G20-Aktionskonferenz aufgehoben. Damit wurde dem Antrag des AStA der HAW auf Erlass einer einstweiligen Verfügung entsprochen. Die Aktionskonferenz, auf der die Proteste gegen den G20-Gipfel beraten werden sollen, findet damit wie geplant am 3. und 4. Dezember in den Räumlichkeiten der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften statt.

Das Gericht stellte fest, dass der AStA keineswegs nur ein „Strohmann“ für andere Gruppen sei, sondern tatsächlich Veranstalterin der Konferenz. Dass andere Gruppen ebenfalls zu der Konferenz einladen, sei dem Hochschulpräsidium seit längerem bekannt gewesen.

„Der eigentliche Strohmann ist der Hochschulpräsident, der mit seinem versuchten Konferenzverbot für die G20-Proteste, nicht die Interessen der Hochschule, sondern des Hamburger Senats und der Sicherheitsbehörden vertreten hat. Wir begrüßen, dass dieser erste Versuch den Widerstand gegen den Gipfel schon im Vorfeld zu behindern, vor Gericht gescheitert ist. Gleichwohl erwarten wir, dass weitere Maßnahmen mit dem Ziel, die Protestbewegung zu schwächen oder zuspalten folgen werden. Wir werden diese jedoch mit gleichen Geschlossenheit zurückweisen wie dieses Mal.“, erklärte Pressesprecher der Interventionistischen Linken, Nico Berg.

Der Vorbereitungskreis bedankt sich bei allen Vereinen, Gruppen und Personen, die ihre Solidarität mit der Aktionskonferenz und ihre Empörung über das versuchte Konferenzverbot erklärt haben. „Unserer besonderer Dank gilt dem Gängeviertel, das bereit gestanden hätte, um die Aktionskonferenz in ihren Räumen stattfinden zu lassen. Die Vielzahl der Unterstützungsangebote zeigt uns ganz deutlich, dass es in Hamburg eine verbreitete Stimmung gegen den G20-Gipfel und gegen den damit verbundenen Sicherheitswahnsinn gibt.“, so Berg.

Zur Aktionskonferenz werden mehrere hundert Aktivist_innen aus unterschiedlichen politischen Spektren, aus dem ganzen Bundesgebiet und aus anderen europäischen Ländern erwartet. „Die G20 sind ein Club aus kalten Neoliberalen und rechten Demagogen. Der globale Kapitalismus, den sie verwalten, verursacht weltweit Kriege und treibt den Klimawandel voran. Er vertieft die Armut und die soziale Spaltung auch hierzulande. Gegen diese Politik, gegen ihre Repräsentanten und gegen die protzige Inszenierung ihrer Macht mitten in unserer Stadt, richten sich die Aktionen, die wir an diesem Wochenende planen werden.“, sagte Berg abschließend.

G20 in Hangzhou: Das war der Gipfel 2016

Wie in jedem Jahr gab es auch 2016 einen G20-Gipfel. Wie in jedem Jahr sollte auch 2016 mit einem Treffen „der Planet gerettet“ und die „Zukunft der Menschheit“ sichergestellt werden. Für dieses Jahr hat China die Präsidentschaft der G20 übernommen, so dass der G20-Gipfel in der chinesischen Provinzhauptstadt Hangzhou ausgerichtet wurde.

Auf der Agenda standen Themen wie aktuelle Konjunkturfragen, Finanzstabilität, Geldwäsche, Klimaschutz, Terrorismus, Krieg, Flüchtlingsströme und Migration, Bildung bis hin zu multiresistenten Keimen. Doch abgesehen vom, eigentlich schon im Vorfeld ausgehandelten Ratifizierungsprozess des Pariser Klimagipfels, gab es nur vage Absichtserklärungen, so dass eine fehlende Rollfeldtreppe einer der Höhepunkte des Gipfels war. Die ganze Farce wird deutlich, wenn die Verursacher der größten Probleme der Welt diese nun lösen sollen. Statt einer solidarischen Zusammenarbeit zum Wohle der Weltbevölkerung, blieb es beim Kräftemessen der jeweiligen eigenen nationalen Interessen. Am Ende ist alles beim Alten: Der Klimawandel beschert uns einen heißen Herbst, die Fluchtursachen werden nicht weniger und der Kapitalismus eskaliert immer weiter.

Für diese wenig überraschenden Erkenntnisse mussten die Bewohnerinnen von Hangzhou massive Repression in ihrem Alltag hinnehmen: Die chinesische Regierung unternahm einiges um den „perfekten Gipfel“ (Zitat Angela Merkel) zu inszenieren. So wurden neue Bäume gepflanzt, Straßen erneuert und die Bewohnerinnen der 8-Millionen-Einwohnerstadt bekamen für die Gipfel-Tage freien Eintritt in den umliegenden Freizeitparks. Fabriken wurden Wochen vorher geschlossen, damit die Luft zum Gipfelbeginn ein akzeptables Smog-Niveau erreicht. Doch das war es auch schon mit den Annehmlichkeiten: Niemand sollte die Kulisse für die G20 stören. Die Arbeiterinnen der Fabriken wurden in den meist unbezahlten Zwangsurlaub geschickt, WanderarbeiterInnen direkt aus der Stadt vertrieben. Touristinnen wurden für die Zeit des Gipfels gar nicht erst in die Stadt gelassen. Aus Angst vor islamistischen Anschlägen durften auch in den umliegenden Städten Reisenden aus Pakistan, Syrien, dem Irak, Afghanistan oder der Türkei keine Hotelzimmer anmieten. Dazu wurden Läden und Restaurants vorübergehend geschlossen, wenn diese von der muslimischen Minderheit der Uiguren betrieben wurden. Kritikerinnen und Bürgerrechtlerinnen waren ebenso unerwünscht: Die NGO China Human Right Defenders hat eine Liste von 42 Fällen von Menschen veröffentlicht, die im Vorfeld festgesetzt oder aus der Stadt gebracht wurden.

Jetzt geht’s los: Anwohner*innen protestieren gegen Gipfel

Protestieren Gegen Gipfel

Das hatte sich der Senat wohl etwas anders vorgestellt. Am Donnerstag sollten die Anwohnerinnen zum Sicherheitskonzept und den Einschränkungen während des OSZE-Gipfel und dem G20-Treffen 2017 informiert werden. Doch viele der etwa 700 anwesenden Anwohnerinnen in den Hamburger Messehallen machten ihre Ablehnung der Gipfel deutlich. Zwischen- und Buhrufe sowie durchweg kritische Fragen bestimmten die Veranstaltung. Vor der Messehalle wurde ein Transparent mit der Aufschrift Kein Gipfel ist auch eine Lösung gezeigt sowie Flugblätter an die Anwohner*innen verteilt.

Der tatsächliche Informationsgehalt des Abends war eher dünn: Der OSZE-Gipfel soll in den Messehallen A stattfinden. Mehrere angrenzende Straßen werden vollständig gesperrt. Rundherum wird – wie zu erwarten – eine Sicherheitszone eingerichtet, die durch Absperrgitter abgegrenzt wird. Die Zugänge werden durch die Polizei überwacht, ebenso die Stadtteile in der Umgebung. Menschen innerhalb des Sicherheitsbereichs müssen sich an Kontrollpunkten ausweisen. Ob auch Bereiche außerhalb der Sicherheitszonen zu faktischen Gefahrengebieten erklärt werden, wurde nicht beantwortet. Auch Details zum Sicherheitskonzept des G20-Gipfel wurden kaum bekannt gegeben. Nur eines deuteten allen Anwesenden an: Die Einschränkungen zum OSZE-Gipfel sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was da kommen wird.

Zumindest die Anwohner*innen der angrenzenden Stadtteile haben gezeigt, was sie von den Gipfeln und den mit ihnen verbundenen Einschränkungen halten. Das dürfte auch der Senat verstanden haben und mit weiteren pseudodemokratischen Bürgergesprächen versuchen die Stimmung zu drehen. Inzwischen kündigt auch Angela Merkel in einem Video-Interview auf ihrer Website eine stärkere „Einbindung der Zivilgesellschaft“ an. Neben der Wirtschaft sollen auf verschiedenen Veranstaltungen Gewerkschaften wie auch Frauen- und Jugendverbände mitdiskutieren dürfen. Die demokratische Legitimation des G20-Gipfels durch die scheinbare Einbeziehung anderer Akteure zu erhöhen, ist aber nur die Fassade einer Veranstaltung, in der die Machtverhältnisse klar verteilt sind. Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument, könnte man sagen.

Wir brauchen Alternativen zum Kapitalismus

Wir brauchen Alternativen zum Kapitalismus

Die Staats- und Regierungsvertreter*innen der mächtigsten Industrie- und Schwellenländer haben sich für den 7./8. Juli 2017 zum G20-Gipfel nach Hamburg eingeladen. Während sie über Finanz- und Wirtschaftspolitik, Klimaschutz und globale Konflikte beraten, ist längst klar, dass sie die Lebensbedingungen eines Großteils der Weltbevölkerung nicht verbessern werden. Ihnen geht es darum, die eigenen Interessen durchzusetzen und die weltweiten Probleme in ihrem Sinne beherrschbar zu machen.

Bei allen Widersprüchen unter den G20-Staaten eint sie ein Ziel: Sie verteidigen die Eigentumsverhältnisse des Kapitalismus und damit eine Wirtschaftsordnung, die auf Konkurrenz, Verwertung und Profitmaximierung beruht. Die sozialen und ökologischen Folgen dieses Systems sind für die meisten Menschen verheerend.

Wir brauchen keine G20-Treffen, wir brauchen Alternativen zum ewigen Wachstumsglauben, Konkurrenz und Kapitalismus. Unterstützt die Gipfelproteste und lasst uns gemeinsam die Umrisse einer anderen, solidarischen und klassenlosen Gesellschaft zeichnen!